Fotografieren gegen Geld?

Seit den „Passagen“ 2017 wo meine Fotos sehr viel Aufmerksamkeit erhalten haben, wurde ich immer wieder von verschiedenen Menschen gedrängt, mit der Fotografie auch Geld zu verdienen.

Die Aussicht, mein Hobby über sich selbst zu finanzieren, erschien mir einer näheren Betrachtung wert. Hat doch die Vorstellung, etwas zu machen, das einem Spaß bereitet und dafür noch Geld zu bekommen, einen großen Charme.

Also habe ich mich schlau gemacht, was eine solche Entscheidung für Kosten, Risiken und Möglichkeiten bietet.

Eine Selbstständigkeit, auch als Nebengewerbe, als Fotograf, der im Auftrag fotografiert, muss in Deutschland in die Handwerksrolle eingetragen sein und der Fotograf wird damit Pflichtmitglied der Handwerkskammer.
Als Auftragsfotograf hat man die Verpflichtung zur Leistung, denn man schließt Verträge, die man einhalten muss. Damit man die daraus entstehenden Risiken und die Risiken die bei einem Shoot auf einen lauern können, absichern kann, sollte man eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Man stelle sich nur vor, es stolpert jemand über das Blitzstativ, fällt auf die Straße und wird dort überfahren ober beim Aufbau der Softbox fällt diese gegen die Ming-Vase, die beim Zerschellen auf dem Boden das Rosenholz-Parkett beschädigt. Nichts, das man aus der Portokasse zahlt.
Um für mögliche Probleme mit der Technik gewappnet zu sein, empfiehlt es sich, ein Zweitsystem bereit zu halten und die Technik zu versichern, möglichst mit Erstattung des Zeitwerts.
Falls man einen Assistenten am Set benötigt, oder Anfahrten zu bewältigen hat, sollte man zahlendes Mitglied in der „Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse“ werden. Pflichtmitglied wird man sowieso. Kann sich aber, wenn man nicht mehr als 100 Tage (800 Stunden) als Fotograf arbeitet, freistellen lassen.
Als gewerblicher Fotograf möchte man seine Fixkosten und auch darüber hinaus Gewinn erwirtschaften, sonst ist das Unterfangen ja irgendwie sinnlos. Das bedeutet, dass man Aufträge annehmen muss, ob sie einem gefallen oder nicht. Wenn man die Fotografie als Nebengewerbe neben einer Vollzeitanstellung betreibt, ist dies besonders kritisch, da man zeitlich eingeschränkt ist.
Betrachtet man in verschiedenen Foren die Situation von Angebot und Nachfrage, stellt man fest, dass Nebenerwerbsfotografen sich über den Preis definieren und auch deshalb angefragt werden, weil sie vermeintlich günstigere Preise bieten, als Vollerwerbsfotografen, deren Fixkosten erheblich höher sind.

Und selbst, wenn diese Rechnung aufgeht, dann hätte ich nach zwei Jahren einen Haufen Technik, aber keine Zeit mehr das zu tun, was ich an der Fotografie liebe.

Ich werde deshalb kein gewerblicher Fotograf werden. Denn ich liebe an der Fotografie als meinem Hobby die Freiheit loszuziehen wann ich es will, Motive zu suchen wann und wo ich will. Ich kann mir bei Menschenfotografie aussuchen, wann ich wen an welchem Ort zu welcher Zeit auf welche Art fotografiere. Ich kann alleine oder mit Gleichgesinnten nachts durchs Land ziehen und die Stimmung, den Ort und die Motive genießen, ohne einen Zwang zum Erfolg zu verspüren.

Und das mit der semi-professionellen Ausrüstung, die ich habe und die sukzessive erweitert und verändert wird.
Und wenn ich Portraits fotografiere, dann mit TFP-Vertrag, Bilder gegen Veröffentlichung, da gewinne ich zwar außer Erfahrung und vielleicht Lob und Zuspruch nichts, bin aber auch nicht verpflichtet abzuliefern.

Für mich soll die Fotografie vorerst bleiben, was sie für mich ist, das geilste Hobby der Welt.